Was ist das eigentlich? Und gibt es auch „gesunden Narzissmus“? Ich erlebe in vielen Bereichen des Lebens die Tendenz, sich und andere zu „diagnostizieren“: „Mein Vater ist ein Narzisst!, „Sie ist eine narzisstische Frau!“ etc. In der Regel ist es wenig hilfreich, eine Person pauschal als „Narzissten“ zu bezeichnen, da es fließende Übergänge zwischen einem gesunden Narzissmus, problematischem und krankhaften Narzissmus gibt. Bereits ein problematisches narzisstisches Beziehungsmuster macht in vielen Bereichen Probleme – ein krankhafter Narzissmus hingegen beeinträchtigt alle Bereiche des Lebens und führt zu hohem Leidensdruck. Mit einer gesunden Portion Narzissmus kommen Menschen oft gut durchs Leben, sind beruflich und gesellschaftlich erfolgreich und ihre Beziehungen werden durch ihr Beziehungsverhalten nicht beeinträchtigt.
Gesunder Narzissmus:
Narzisstisches Verhalten im gesunden Sinne bedeutet, dass die betroffenen Personen keinen Leidensdruck verspüren. Diese Menschen erreichen kurz- und
langfristig ihre Lebensziele, sind erfolgreich und stolz auf sich und ihre Leistungen. Gesundes narzisstisches Verhalten wirkt sich überdies positiv in zwischenmenschlichen Kontakten aus und führt nicht dazu, dass Interaktionspartner dadurch beeinträchtigt werden.
Problematischer Narzissmus:
Menschen mit problematischem Narzissmus erreichen dadurch auch oft kurz- und langfristig ihre Ziele. Langfristig zeigen sich jedoch vor allem negative Konsequenzen im zwischenmenschlichen Bereich, was sich sowohl privat als auch beruflich problematisch auswirken kann (Trennungen, Beziehungsprobleme, ausbleibende Beförderungen, Konflikte etc.). Menschen mit diesem Beziehungsmuster wollen jedoch anderen Personen nicht bewusst schaden. Betroffene entwickeln mit der Zeit einen Leidensdruck, es können sich u.a. psychische Probleme entwickeln wie Depressionen, Ängste etc.
Krankhafter Narzissmus:
Menschen mit krankhaftem Narzissmus schädigen andere Menschen und fügen zwischenmenschlichen Beziehungen z.T. großen Schaden zu (auch ggf. strafrechtlich relevant!). Die Auswirkungen des krankhaften Narzissmus betreffen alle Lebensbereiche in äußerst ungünstiger Weise und schaden v.a. den Beziehungen zu anderen Menschen. Dies wirkt sich auch sehr ungünstig für das Erreichen von beruflichen Zielen aus. Betroffene entwickeln oft einen deutlichen Leidensdruck.
Quelle: „Therapie-Tools Narzissmus“ von Lammers und Eismann, Beltz-Verlag (2025)

